meh dräck.

die erste bekanntschaft mit einem ferienresort machte ich bei dirty dancing. das dort namenlose resort mit dem patron max kellerman hatte einen see und ein haupthaus mit einem charisma, das einen unweigerlich an eine vorstufe von rocky docky denken liess. da war diese ehrbare, rechtschaffene arztfamilie houseman, die perfekt in diese perfekte scheinwelt eines ferienresorts passte. die eltern, so viel wird schnell klar, kennen sex wohl nur aus der bibel und praktizierten ihn auch so. und da war baby, ihre jüngere tochter, unschuldig, wie gott sie geschaffen hatte.

das programm bei dirty dancing war streng nach geschlechtern getrennt: die frauen waren kreativ, die männer trieben sport. wichtiger bestandteil einer woche resortferien: die abschlusshow. da, wo babys schwester sich als bunny verkleidet und schrecklich falsch singt. eigentlich, der fall ist klar, macht sie sich zum affen, aber weil das setting verlangt, dass die familie houseman jenseits von dirty wohnt, wurde aus dem affen ein hase. sogar der wirklich dirtyge tanzlehrer johnny wird am schluss sauber, und man könnte sich ob soviel einfältigkeit an die stirne klatschen, aber damals, als wir hinter den verschlossenen türen unserer pubertät mit unseren freundinnen die tanzschritte immer und wieder übten, war er richtig, richtig gut.

dirty dancing war für uns auch eine art hanni und nanni für erwachsene. baby und johnny, der tanzlehrer, das war wie eine mitternachtsparty auf lindenhof, bei der man nicht ertappt werden durfte. nur dass, weil mittlerweile alle erwachsen wurden, am ende keine bestrafung, sondern die erfüllung folgte. so wie wir uns als kinder wünschten, ins internat zu dürfen, so wünschten wir uns später ferien im resort. einem dirty-dancing-resort. wir wollten johnny oder mindestens einen mann, der uns «komm, tanz mit mir», ins ohr hauchte. einer, der uns im wasser auf händen trug und der zumindest für ein paar augenblicke vom bengel zum mann wurde. statt dessen fanden wir uns wandernd mit unseren eltern in den bergen, später in lloret de mar, wo das testosteron in strömen floss, und als wir die welt entdeckten, versuchten wir uns mit interrail. nur der traumprinz, der war, anders als im kinoticket, nicht im preis inbegriffen.

erst wenn man selbst kinder hat, findet man sich im ferienresort wieder. weil es dort viele kinder hat, lärm keine rolle spielt und einem der alltag ziemlich leicht gemacht wird: sand, meer, pool, einkauf, restaurant, spielplatz, alles in walking distance. die kinderfreundliche version von all inclusive, bürgerlicher als wir uns es auf unseren revoluzzer-interrail-touren vorstellen wollten. der dirt ist inbegriffen, eben, es sind ja kinder, sand hat es jede menge, und so wird auch aus der ferienfrau täglich eine putzfrau.

die geschlechterfrage ist in den resorts der 00er-jahre keine mehr; entscheidend ist, ob der morgensport im halbhohen pool – man könnte es auch elefantenballett nennen – von einer frau oder einem mann geführt wird. viele kinder sind auch dabei; vor allem, sie können den sommerhit des jahres auswendig und zeigen das gern bei jeder gelegenheit. schöne menschen sieht man keine, sie liegen in den hinteren reihen unterm liegestuhl am meer, dort, wo man mit kindern ganz sicher nie hinkommt, weil kinder muscheln und krebse suchen und ab und zu auf plastik in den wellen reiten.

man wird, obwohl man die ferien sehr geniesst, trotz allem ein wenig wehmütig – vor allem , wenn man sich das personal ansieht, das abend für abend das gleiche lied intonieren muss. für die eltern hat es den vorteil, dass man nach abend drei genau weiss, wie lange es noch dauert bis zum feierabend. aber denen auf der bühne, die zum 100000. mal nossa, nossa, nossa tanzen müssen, denen wünscht man sich nur eins: meh dräck. viel mehr.

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#oasg12

am bahnhof meiner kindheit verwandle ich mich augenblicklich in das pubertäre gör, das das städtchen mit 18 verlassen hat. die geschulterten freitagtaschen, die kleine und die grosse, seit bald 20 jahren an meiner seite, geben diesem umstand farbe – ein umstand, der sich die folgenden tage nicht ändern sollte. man bedenke: im normalen leben bin ich ehefrau und mutter von drei kindern. in der stadt meiner kindheit bin ich das kind meiner eltern. das pubertäre gör, das das städtchen mit 18 verlassen hat.

«kind», sagt meine mutter, «zieh dir eine lange hose an. zieh wanderschuhe an!» ich klebe am ganzen körper, aber die vernunft sagt: «deine mutter hat recht. man könnte in eine spritze stehen. man könnte von anderen wanderschuhen zertreten werden. es könnten ganz viele dinge passieren, die in wanderschuhen garantiert nicht passieren.» so ziehe ich die wanderschuhe an, die lange hose, und noch bevor ich das sittertobel erreiche, bin ich eine lebendige schweissbombe. am billenberg lechzen meine füsse nach freiheit, in der genfer ecke muss ich mich bücken und die schuhe lösen, weil sich ein stein bei der ferse breit gemacht hat. meine hände sind so geschwollen, dass ich die wanderschuhe kaum mehr binden kann.

aber ich bin da. an einem ort meiner spätpubertät, dem ort, der zur ostschweizer jugend gehört wie nix anderes. es gibt in der ostschweizer jugend nur ein messgrad: vorher und nachher. das erste mal alleine ins sittertobel ist wie ein ritterschlag zum erwachsen sein. (man bedenke: damals, mit 17, da gab es noch keine handys.) man ist – oder war, damals – drei tage ausser kontrolle der eltern, es sei denn, man hatte solche wie ich, die sich das spektakel auch nicht entgehen liessen, und man wurde für erwachsen genug befunden, zwischen drögelern, besoffenen und anderen spinnern seinen weg zu gehen und heil nach hause zu kommen. so war das, damals. damals spielten mumpitz den clown, herbert grönemeyer zoffte sich auf der bühne mit der festivalleitung, michael hutchence kletterte eine woche vor seinem selbstmord das gerüst hoch und ich fand die red hot chilli peppers cool, weil alle anderen sie auch cool fanden. ich sah kuno lauener in der vordersten reihe bis ich die sicherheit bat, mich rauszulupfen. ich sah, wie göla am sonntagmorgen mit eiern beworfen wurde, ich konnte wochenlang nix anderes singen als: «i can see clearly now the rain has gone» und verliebte mich unsterblich ins pfannestil chammer sexdeet, etc… es gäbe hunderte kleiner und grosser geschichten von damals. ich arbeitete hinter der bühne, sah kleine und grosse stars und fand manche ganz nett und andere extrem doof. so war das, damals.

das letzte mal war ich dort, als rem spielte, und das war hammer. das ist sieben jahre her, und als ich zwischen flammkuchen und chesterfield zu meinen freunden laufe, stelle ich fest, dass sich in den letzten sieben jahren einiges verändert hat. die non-food-stände sind jetzt oben und nicht mehr unten, die migros ist omnipräsent und grün, es ist heiss, und es stehen zelte an orten, wo man früher nicht mal hinsehen durfte. es laufen, fällt mir auf, ganz viele brüste herum, die zu jungen mädchen gehören, ein tenue, in dem ich mich weder jetzt noch damals auf die strasse getraut hätte, schon gar nicht hier, mit diesen besoffenen testosteron-jünglingen, die offensichtlich nur darauf warten, die heisse luft von draussen ins zelt zu tragen. die mädchen tragen flipflops oder riemchensandalen, und ihre zehen sehen alle gesund aus. daneben stehe ich und fühle mich wie hinter einer burka begraben.

züri west und kuno lauener bringen mir meine jugend zurück; kunos hemd ist schon vor beginn der aufführung durchnässt und macht durch die kamera der leinwandübertragung den blick auf eben kein sixpack frei. er singt viele lieder von früher, das verschenkte herz, den alpenflug und sonst noch ein paar. nur 7:7 wieder einmal nicht, und irgendwie hätte der arturo bandini auch dazu gepasst… aber das ist jammern auf hohem niveau. ich stehe oben, schaue zu wie sich das feld im takt bewegt, wie sich die menge spaltet in mitsingenkönnen und nichtmitsingenkönnen und trinke einen schluck wasser. meine mutter meldet sich per sms: «ist es cool?» ja, schreibe ich zurück, es ist cool. wahnsinnig cool.

auf dem gang zur toilette verliere ich meine freundin, finde dafür meinen bruder, der mir zwei schlücke seines biers schenkt, und nur wenig später treffe ich misslavendel und ihren freund, mit denen zusammen ich florence and the machine höre. ich gehe nach hause, als es noch hell ist, muss fast nicht für den bus anstehen und als ich nass, verschwitzt und völlig am ende zu hause ankomme, sage ich meiner mutter als erstes: «morgen gehe ich in sandalen!» da ist es wieder, das pubertäre gör.

die nacht ist kurz und heiss, wie früher, nur dass ich zum ersten mal seit menschengedenken ein bett für mich alleine habe – EIN BETT! KEIN ZELT! KEINE MATRATZE! – und garantiert durchschlafen könnte. um sechs bin ich hell wach, das ist üblicher weise die zeit, in der mein kleiner sohn sein frühstück will, bevor er noch eine oder zwei stunden weiter schläft und ich mit ihm. es dauert seine zeit, bis ich wieder müde bin, aber dann schlafe ich fast bis mittag. frisch geduscht wage ich mich in die migros, proviant kaufen, und bin schon auf dem heimweg wieder komplett nassgeschwitzt. statt ins getümmel fahre ich mit meiner mutter und meinem bruder an einen anderen ort meiner jugend: in die weihern. in der badi hängt ein plakat das werbung macht für mich gerber in den weihern, und auch davon könnte ich jetzt erzählen, wie schön das war, damals… aber für den moment muss es reichen. ich treffe interessanterweise nur eine, die ich kenne, es ist die patin meines sohnes, ich schwimme im weiher und dann meine ich, ready für die toten hosen zu sein.

ich bin es nicht. aber das merke ich erst, als ich mich wieder von frau lavendel verabschiedet habe, mit der und zwei ihrer freundinnen ich im zelt ihres bruders sass und spass hatte, nachdem ich über eine stunde lang ganz alleine auf einer anhöhe gesessen bin und den leuten zugeschaut hatte. ich esse indisch vor den hosen, und vergesse dabei, dass ich dieses essen gar nicht vertrage. es wird mir schlecht, neben mir wird es immer lauter und unkontrollierter und so trete ich den rückzug an, bevor die hosen quicklebendig auf die bühne treten. «was?», kreischt meine mutter, als ich sie, noch wach, klar, vor dem radio antreffe, wo sie, klar, das hosen-konzert aus dem sittertobel hört, «du bist schon da?» das pubertäre gör in mir hätte viele antworten parat, doch ich bin zu müde, zu abgekämpft, und gehe ins bett.

am dritten tag sind die temperaturen um mindestens zehn grad gesunken. ich stehe auf und weiss: das wird mein tag. die dunklen wolken am himmel tun dem enthusiasmus in mir keinen abbruch; ich hab genug proviant, es wird gute musik geben – stress! – und ich habe ein paar dates. was ich nicht bedenke: die schliessfächer sind alle besetzt. restlos. ich muss das ganze gepäck mit runter nehmen, was nicht allzuschlimm ist. schlimmer ist: der bus ins sittertobel ist rappelvoll. ich werde in den bus gestossen, wie wenn es kein gestern und vorgestern gegeben hätte. «wenigstens», sage ich dem mann neben mir, mit dem ich leider auf tuchfühlung gehen muss, «ist die umfallgefahr so ziemlich gering.» der bildschirm, efängs omnipräsent in bussen, sagt, dass man auf essen und trinken verzichten soll, eine vorstellung, die mich zum lachen bringt: versuchen sie mal, pommes zu essen, derweil sie mit ihrem einen arm einen mann umschlingen müssen und von der anderen seite der mundgeruch einer jungen frau ihnen bei jedem atemzug ins gesicht bläst. ich würde, wenn ich könnte, mich vor lachen auf dem busboden krümmen, aber dafür fehlt, wie erwähnt, der platz.

unten im sittertobel passiere ich zum letzten mal das überdimensionale welcome-schild, laufe an zurückgebliebenen alkoholikas in büchsen und flaschen vorbei. die kontrollen sind lasch, ich hätte einiges verbotenes hereinschmuggeln können. aber das wäre kindisch, und ich hab mit der rückkehr meiner inneren pubertät schon genug kind am hals. (es gibt übrigens am openair neuerdings die regel, dass man nur drei liter eigenes gebräu mitnehmen darf, den rest muss man auf dem gelände dem openair abkaufen. einige fanden das offenbar zuviel und überklebten das gelände mit «scheiss-drei-liter-regel» zu. das ist doch kindisch, oder? ein festival braucht die getränke-einnahmen, sonst müssen die ticketpreise noch viel höher rauf – und das kanns ja auch nicht sein. und überhaupt: akzeptieren oder zuhause bleiben, basta.)

es beginnt tatsächlich zu regnen, ich bin in kurzen hosen und wiederum den sandalen da, es ist kein problem, es gibt noch immer viele flipflopper auf dem platz. man sieht wieder mehr grün, viele zelte sind schon abgebaut oder liegen tot im gras. überhaupt, was alles zurück gelassen wird – der horror. ich treffe marinierte nackte pouletschenkel an, würste in plastik, getränke, ungebrauchte kondome, was weiss ich alles – und ich will nicht wissen, wie gross die summe ist, die nutzlos im gras vergammelt. es ist eine wohlstandsgesellschaft, in der wir leben, und in nichts manifestiert sich das so sehr wie im zurück gelassenen abfall eines festivals. aber ich bin nicht zur sozialkritik gekommen, ich gehe zu meiner freundin ins zelt, grille, esse, habe spass, sehe the kooks auf dem bildschirm, weil die zelte davor abgebaut sind, gehe mit meinem alten freund vom ok ein glas wein trinken, hole mir einen regenpariser gegen allzuviel nässe und als ich kurz vor dem ende des paolo-nutini-konzerts beschliesse, den heimweg anzutreten, treffe ich im schnelldurchlauf meine halbe jugend an. das ist schön, das ist schön, das ist heartwarming, und ich gehe nach hause und weiss: ich werde wiederkommen. irgendwann.

italianità

ich lern italienisch, schon länger. anderthalb jahre. ich habe italienisch gehasst in der schule. in französisch war ich leidlich gut, in englisch noch besser und in latein, für das ich mich statt italienisch entschied, eine niete. (natürlich, latein war super, kann ich heute noch gebrauchen. jeden tag, kiz, lernt latein! es bringt was!) latein und englisch hatte ausserdem den vorteil, dass ich nicht in die handarbeit musste, was mir damals noch mehr verhasst war als italienisch, inklusive der lehrerin.

nach diesem kurzen exkurs zurück nach italien. ich fand, bevor ich meinen mann kennenlernte, italien auch nicht das ziel aller urlaubsträume, ich war bis dato sogar eher gen norden orientiert. dänemark, schweden, finnland, belgien, undsoweiter. nordsee. ostsee. hohe wellen, lange sandstrände und null touristen. in belgien hab ich familie, in dänemark freunde. und alle wollten sie besucht werden.

dann trat miomarito in mein leben und plötzlich fand ich mich jeden sommer in italien wieder. in siena, am meer, immer italien. und es nervt, wenn man in italien ist und nicht italienisch kann, weil das irgendwie zur allgemeinbildung gehört in der schweiz. so bekam ich zu weihnachten einen italienischkurs geschenkt und seither lern ich italienisch.

italien hat mir viel gebracht. kulturgeschichte. ich kann namen wie fedora saura, trecciolino und chinchillo auf der zunge zergehen lassen und hab eine ganz klitzekleine ahnung, um was es geht und wer in der hackordnung oben oder unten ist. ich kenn ganz viele tiere schon lange auswendig, nur dass der seneser sie in gewissen fällen leicht abwandelt oder halt mit akzent spricht. bruco ist so ein beispiel: das ist in siena brucho. (bei uns nennt man das raupe.)

die aufgaben auf heute waren, haushaltsgeräte aufzuschreiben und daraus ein rätsel zu machen. ich habe ein mini-dictionnaire, vom mann geschenkt bekommen, und suchte dort das italienische wort für tumbler. fand ich nicht. dabei: das wort tumbler hat man noch schnell einmal auf der zunge, nicht? wobei die italiener ihre wäsche ja von fenster zu fenster aufhängen und manchmal auch quer über die strasse. die kennen das vermutlich gar nicht. in dem haus, in dem wir in siena amix logieren, geht die wäscheleine den korridor entlang. und ja: es ist saulustig für die kiz, die wäsche runterzuziehen. genau.

was ich aber in diesem wirklich mini-dictionnaire mit dem übertitel «praxiswörterbuch» ungesucht gefunden habe, ist das wort RAF. frazione dell‘ armata rossa. genau. brauch ich in fast jeder diskussion, das wort, ich nenn auch meine kinder in der regel nur i terroristi. danke, herr pons!

«green gourmet»

ich hab ein neues kochbuch entdeckt, ein geschenk einer lieben freundin, und ich bin: höchst begeistert. ich hatte, bevor ich es bekam, schon eine begeisterte kritik gelesen, auch was die fotos betrifft, und jetzt bin ich, wie gesagt: begeistert. es ist hammer. auch wenn von einem grossverteiler heraus gegeben, so sind die mengenangaben, die specials und soweiter nicht mit einem werbekleber versehen. das finde ich sehr sympathisch und heb das buch wohlwollend von der kochgöttinnen-postille ab. (dass dort nicht steht, in welchem regal man die produkte findet, ist an sich ein wunder, fällt mir jetzt ein, wo ich mir das überlege.)

wie auch immer. in diesem buch gibt es ein plätzchenrezept. fünfkorn mit schwarzer schoggi. unglaublich fein. und das beste daran: die kiz mögen sie nicht. 🙂

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